19 Oktober 2014

Die Krise in den kolumbianischen Gefängnissen

Die Krise in den kolumbianischen Gefängnissen ist ein Jahrzehnte anhaltender Verstoß gegen die Menschenrechte. Am morgigen 20.Oktober soll wieder ein Streik der Gefangenen stattfinden. Ein kurzer Überblick:


Folter, Überbelegung, mangelnde medizinische Versorgung, die Verletzung der Rechte der Gefangenen und mangelnde rechtstaatliche Prozesse sind charakteristisch für das kolumbianische Gefängnissystem, das in Korruption, Misswirtschaft und Grausamkeiten versinkt. Es handelt sich um eine systematische Verletzung der grundlegenden Menschenrechte gegenüber den rund 11.000 politischen und sozialen Gefangenen sowie den Kriegsgefangenen der Guerilla, wie der FARC-EP.

Die Krise fängt schon in einem repressiven politischen System an, welches die legale (Gewerkschaften, linke Parteien, populäre Bewegungen) und illegalisierte Opposition (zum Beispiel die aufständische Bewegung FARC-EP) kriminalisiert, einschüchtert und verfolgt. So kommt es zu Bedrohungen, Verhaftungen und auch Morden. Dabei beruht unter anderem die Strafverfolgung und Verurteilung der Gefangenen auf Lügen, falsche Zeugen und konstruierte politische Prozesse.

Derzeit gibt es ein Gefängnissystem, welches für 75.726 Haftplätze ausgelegt ist. Die realen Zahlen der Gefangenen betragen jedoch mehr als 125.000 und die Zahl der Gefangenen wächst stetig pro Jahr. Dies verdeutlicht unter anderem, warum es einen Grund für die Verschlechterung der Situation der Männer und Frauen in den Gefängnissen gibt. So ist das Gefängnis La Modelo in Bogotá für 2000 Plätze erbaut worden, beherbergt aber gerade rund 7000 Gefangene. Und in Bucamaranga sind es 1350 Plätze für 2900 Gefangene.

Doch nicht nur die Überbelegung und das Fehlen von angemessenen Lebensraum und Privatsphäre, auch die fehlende Versorgung mit Trinkwasser, Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung sind große Probleme. Oftmals entscheidet das Gefängnispersonal über das Verfügen dieser elementaren Dinge und nutzt ihre Macht aus, um die Gefangenen zu schikanieren oder zu erpressen. Besonders politische Gefangene und Kriegsgefangene sind den Repressalien des Personals ausgesetzt.

Aber es ist nicht nur die schlecht oder gar nicht vorhandene Versorgung der Gefangenen und die Überbelegung, sondern auch die Erniedrigung und Folter, die zur unmenschlichen Situation der Häftlinge beiträgt. Die Erniedrigung und Folter erfolgt auf psychischen und physischen Wegen. Gewaltvolle Übergriffe und physische Folter sind keine Seltenheit. Auch die Inhaftierung der Gefangenen weit weg von ihren Wohnorten und ihren sozialem Umfeld, sowie die Reduktion von Freigängen, Geld, Besuchen und eine schlechte Behandlung führen zu psychischen Auffälligkeiten bei den Gefangenen.  

Nicht umsonst kommt es in den Gefängnissen Kolumbiens zu regelmäßigen Protesten und Hungerstreiks. Mittlerweile ist die Krise des Gefängnissystems auch in der Gesellschaft angekommen, was vor wenigen Jahren noch ein weitgehendes Feld der Unkenntnis war. Eine Reform des Justizsystems, menschenwürdige Haftbedingungen, eine Chance zu Arbeit und Studium und eine bessere Kommunikation sind nur die wichtigsten Ziele der Gefangenen und Bestandteil der politisch-gesellschaftlichen Diskussion.

Bereits am morgigen 20. Oktober sollen ein weiterer Streik und Protestaktionen in den Hochsicherheitsgefängnissen und Gefängnissen der mittleren Sicherheitsstufe beginnen. Die organisierten Gefangenen fordern unter anderem einen Gesprächstisch mit der Zivilgesellschaft und der Regierung, eine Lösung für die Krise im Gefängnissystem, mehr Besuchsrechte und einen Stopp der Auslieferungen von Gefangenen in das Ausland. Des Weiteren solidarisieren sie sich mit dem Friedensprozess zwischen der aufständischen Bewegung der FARC-EP und der Regierung.

Unter den 11.000 politischen und sozialen Gefangenen in Kolumbien befinden sich auch mehrere Tausend aus den Reihen der FARC-EP. Auch wenn die Kriegsgefangenen der FARC-EP innerhalb der Gefängnisse gut organisiert sind, so sind sie aufgrund ihrer politisch-militärischen Zugehörigkeit zur Guerilla besonders von Repression und Folter betroffen. Immer wieder kommt es zu Übergriffen, aber auch zu Berichten und solidarischen Aktionen aus den Gefängnistrakten, wo sie inhaftiert sind.

14 Oktober 2014

Erklärung zum Tag des indigenen Widerstandes

„Inspiriert in der Erinnerung an Caonabo, Enriquillo, Cuauhtémoc, Guaicaipuro, Túpac Amaru, Lautaro, der Gaitana, Quintín Lame und alle geistigen Kräfte unserer indigenen Helden und Heldinnen, Ureinwohner und ihrer Vision der Zukunft, erheben wir die FARC-EP an diesem 12. Oktober unsere Stimme, um wieder einmal ein donnernden Hochruf zum Tag des indigenen Widerstands zu geben, um die multiethnischen und multikulturellen Zustand unseres Landes hervorzuheben und zu sagen, dass wir stolz auf unsere  amerikanischen Wurzeln und afrikanische Abstammung sind.“

„Es ist nicht nur eine Losung, um unsere Stimme zu erheben, sondern wir machen es regelmäßig und beteiligen uns an der Aktion im Kampf für die Forderungen der indigenen Völker von Kolumbien und des Kontinentes. Besonders jetzt sagen wir, dass es Frieden in unserem Land nur geben wird, wenn unter all den Veränderungen, wenn wir die Grundrechte der ländlichen Bevölkerung beanspruchen, und innerhalb derer die indigenen Völker, die seit Jahrhunderten geschändet, geschmäht und beraubt wurden. Wenn der Frieden uns alle angeht, nur mit der direkten und entschiedenen Beteiligung von Vertretern der indigenen Völker im Prozess der Gespräche in Havanna, die wir besiegen werden.“

„Die Gerechtigkeit kann keine Verzögerung mehr gebrauchen“, so heißt es im Kommuniqué der Friedensdelegation der FARC-EP, denn jetzt müsse man für die Lebensentwürfe der einheimischen Bevölkerung eintreten und Rechte wie vorherige Konsultation, Traditionen, Autonomie und Territorium, sowie finanzielle Mittel einfordern. Für die aufständische Bewegung sind die Menschen und Gemeinschaften zum Beispiel diejenigen, die in der Diskussion um Flächennutzung und Landwirtschaft, also den Agrarthemen, die Hauptrolle spielen sollten. Hierbei geht es vor allem um die Kollektivität, Selbstverwaltung und die Verteidigung der Territorien der Bauern, Indigenen und Afrokolumbianer.

Eine wirkliche und umfassende Agrarreform beinhaltet Diskussionen und Veränderungen um Besitz, die Nutzung von Land, die Formalisierung des Eigentums, die Probleme des Zugangs, die Extravaganz des Großgrundbesitzes, den ausländischem Besitz und all die Probleme der sozialen Investitionen und der öffentlichen Politik strukturell zu lösen. Es ist wichtig, die territorialen Autonomie und den Aufbau einer Wirtschaftspolitik, sowie die Nahrungsmittelproduktion und Nahrungsmittelsouveränität den Bedürfnissen der indigenen und afrokolumbianischen Gemeinschaften anzupassen, um deren Existenz zu stärken und zu sichern. Auch ist es erforderlich, eine Alternative zu Koka, Mohn und Marihuana zu finden und das Besprühen aus der Luft zu verhindern. Es muss eine traditionelle und alternative Nutzung möglich sein.

„An diese wenigen Aspekte erinnern wir, wenn wir auf die Notwendigkeit und Dringlichkeit beharren, um die Versprechen der verschiedenen Regierungen zu bestehen, die sie den sozialen und populären Organisationen gemacht haben, vor allem derer der indigenen Völker“, so das Kommuniqué zum Ende. Daran anschließend sei ein Engagement unerlässlich, in der Schadenersatz durch den schmutzigen Krieg und den Staatsterrorismus, verursacht durch die Regierung, gefordert wird, sowie weiterhin Regelungen für die Garantien der politischen Partizipation, ein Ende der Kriminalisierung und Verfolgung von sozialen Protest und politische Partizipation auf lokaler und nationaler Ebene.

Es leben die indigenen Völker Kolumbiens!
Es lebe der Tag des indigenen Widerstandes!


10 Oktober 2014

In Erinnerung an „Che“

Vor 47 Jahren wurde Ernesto „Che“ Guevara in Bolivien getötet. Mit dem Tod des Che beendete man nicht nur seine Existenz als Kommandierender einer Guerilla, sondern es wurde das Symbol des revolutionären Kampfes getötet. Einer Person, der zeitlebens für die Länder des Südens im Kampf gegen Kolonialisierung und für Gerechtigkeit und Gleichheit aktiv war. Der Traum der Befreiung war der Traum des Che. Die FARC-EP hat den 8. Oktober, den Todestag des Che, als den Tag des heroischen Guerilleros in ihren Gedenktagen aufgenommen. Damit wird allen Guerilleros und Freiheitskämpfern auf der Welt gedacht, die sich in einem emanzipativen, solidarischen und sozialistischen Kampf befinden.

Beitrag und Kommuniqué der FARC-EP

08 Oktober 2014

Die Waffe als Sicherheitsgarantie

Während in Havanna die Friedensgespräche zwischen den Aufständischen der FARC-EP und der kolumbianischen Regierung geführt werden und wie zuletzt die Vereinbarungen, auch zur politischen Teilhabe, veröffentlicht werden, sind die Garantien für politische oppositionelle Arbeit immer noch prekär im Land.

Vor wenigen Tagen wurden einige Dokumente der Vereinbarungen der Friedensgespräche zwischen der FARC-EP und der Regierung unter Santos veröffentlicht. Darin sind auch einige Verpflichtungen beider Seiten zum Thema politische Partizipation vorhanden. Klar, nicht nur die aufständische Bewegung beansprucht das Recht auf eine legale und sichere Ausübung von politischen Aktivitäten. Und der Punkt der Garantien für eine politische Opposition gilt als einer der wichtigen Punkte, gerade auch im historischen Kontext betrachtet. Immerhin führte dies unter anderem zur Gründung der FARC-EP, aber auch zum Scheitern des Friedensprozesses von 1984 mit dem Exodus und Tod Tausender Mitglieder der Unión Patriótica. Wie also soll dieser Punkt in der Realität aussehen und wie soll man darauf vertrauen die Waffen niederzulegen, wenn das Klima für eine politische Arbeit nicht gegeben ist?

Die letzten Wochen haben gezeigt, wie schwer dieses Thema wiegt. Angefangen von Bedrohungen und Einschüchterungen gegen die beiden großen Kongresse der geschützten Agrarzonen (ZRC) im September oder der Studierenden der FEU letztes Wochenende, bis hin zu Morden gegen lokale und überregionale Menschenrechtsbeobachter und Gewerkschafter oder Anführer der populären Bewegungen auf dem Land. Diese Drohungen, Einschüchterungen und Morde waren auch immer Teil des bestehenden politischen Systems und seiner weitverzweigten Netze in staatliche Sicherheitsbehörden, paramilitärische Organisationen oder rechtsextreme Gruppierungen. Dort müssten die Sicherheitsgarantien beginnen, bei der Zerschlagung dieser Kräfte und Verbindungen in den angesprochenen Institutionen und Gruppen.

Momentan erinnert für die politischen und sozialen Aktivisten in Kolumbien nicht viel daran, dass die Regierung Muße zeigt, um dieses politische Klima zum positiven zu verändern. Warum also sollen die Guerilleros der FARC-EP, die politischen Gefangenen und die Mitglieder und Sympathisanten der sozialen und politischen Bewegungen also in Freude verfallen? Erst vor drei Tagen berichtete das große Nachrichtenmagazin Semana von 160 Fällen von Bedrohungen in den letzten 30 Tagen gegen politisch engagierte Kolumbianer durch paramilitärische Gruppen und Organisationen. Ihr Ziel ist es, den Friedensprozess zum Scheitern zu bringen sowie die Linke, die Menschenrechte, die Meinungsfreiheit und die Pressefreiheit zu beschneiden. Alle die gegen das neoliberale System und gegen die Machenschaften der extremen Rechten agieren, werden zum militärischen Ziel erklärt.

Derzeit kann man in Kolumbien einzig und allein sehen, dass die Regierung ihren Diskurs über die demokratische und politische Öffnung nur unzureichend führt. Die Realität sieht anders aus und die Repression, die Militäroperationen, die Bedrohungen und Morde stehen für die klassische kolumbianische Politik, nämlich die Proteste der Menschen nach Gerechtigkeit und politischer Partizipation mit Tränengas und Blei zu beantworten. Wir erinnern uns nicht nur an die bereits dargestellten Beispiele, sondern auch an den großen nationalen Agrarstreik von 2013, bei dem 15 Personen getötet und 485 verletzt wurden. Bis heute wurden viele Forderungen nicht erfüllt, obwohl die Regierung sich zu Verhandlungen und Lösungen bereit erklärt hatte. Stattdessen beuten weiterhin transnationale Konzerne die natürlichen Ressourcen aus und hinterlassen Umweltschäden, Vertreibung, ausgeblutete Landschaften und ausgeblutete Menschen.

Andererseits ist klar, dass sich die Realität nicht ändern wird, wenn nicht dafür gekämpft wird. Dieser Kampf wird derzeit in Havanna am Verhandlungstisch, in den sozialen und politischen Bewegungen und in den Bergen und Wäldern Kolumbiens ausgetragen. Für eine politische Partizipation braucht es grundlegende Veränderungen in den staatlichen Sicherheitsbehörden und im politisch-ökonomischen System. Um dies zu erreichen, die Verbindungen der Para-Politik zu kippen und um die Bevölkerung am Regieren und Mitbestimmen teilhaben zu lassen bedarf es einer nationalen konstituierenden Versammlung sowie struktureller Reformen. Die anhaltenden Operationen und Strafverfolgungen gegen die FARC-EP oder auch gegen den Marcha Patriótica lassen keinen positiven Glauben an die Regierung aufkommen. Seit der Entstehung im März 2010, der Konsolidierung im Jahr 2012 und bis heute sind 60 Mitglieder getötet worden. Mehr als 400 Verhaftete hat der Marcha Patriótica zu beklagen.

Zwar ist die Realität des Marcha Patriótica noch weit von derjenigen der Unión Patriótica entfernt, doch es zeigt symbolisch, wie es um die oppositionelle Arbeit und Politik in Kolumbien bestellt ist. Das Misstrauen unter Guerilleros, unter den politisch Aktiven, aber auch unter der Bevölkerung ist groß. Wie soll auch Vertrauen in einem über 50jährigen sozialen und bewaffneten Konflikt aufgebaut werden, wenn sich eine Regierung beharrlich weigert, einen bilateralen Waffenstillstand zuzustimmen, für eine Verbesserung der miserablen Haftbedingungen zu sorgen und Sicherheitsgarantien für die sozialen und politischen Bewegungen zu erlassen? Solange dies nicht geschieht, werden auch die Waffen nicht ruhen! Sie sind wie seit über 50 Jahren die einzige Sicherheit für die Opposition…

02 Oktober 2014

FARC-EP grüßen den Studierendenkongress in Cali

Die Friedensdelegation der FARC-EP grüßt in einer übermittelten Botschaft, vorgetragen durch Victoria Sandino, den Vierten Kongress der Studierenden der Federación de Estudiantes Universitarios (FEU), der vom heutigen 2. Oktober bis zum 5. Oktober in der westkolumbianischen Stadt Cali stattfindet.

„Aus den Horsälen, Klassenzimmern und den Straßen wird konstituierende Politik gemacht!“ lautet der Wahlspruch der FEU, die sich als organisatorische und politische Plattform der Schüler und Studierenden der zweiten Sekundarstufe, der technologischen Studien, der öffentlichen und privaten Universitäten und der sozialen und politischen Bewegungen versteht. Der diesjährige vierte Kongress steht ganz im Zeichen des Friedensprozesses und der sozialen Gerechtigkeit. Eine Hauptforderung der Studierenden ist eine neue konstituierende Nationalversammlung, Frieden und grundlegende Änderungen zu einer partizipativen Politik und Gesellschaft. Schon in der Vergangenheit war der größte Zusammenschluss der Studierenden in Kolumbien an sozialen Kämpfen beteiligt. So wurden zu Protesten gegen die Freihandelsverträge ALCA und TLC oder auch gegen die neofaschistische Politik der „Demokratischen Sicherheit“ unter Álvaro Uribe aufgerufen.

Doch wer sich in Kolumbien politisch betätigt und eine kritische Meinung zum neoliberalen System hat, lebt gefährlich. So wurde eine Studierende, die maßgeblich an der Organisation des Kongresses beteiligt ist, in Cali auf der Straße von einer Person mit einer Schusswaffe bedroht worden. Schon zuvor kam es zu regelmäßigen Bedrohungen und Einschüchterungen, unter anderem der Schwarzen Adler (Aguilas Negras), einer paramilitärischen faschistischen Organisation. Per SMS auf ihren privaten Telefonen wurde eine Gruppe bedroht und dass alle „Guerilleros die nach Cali kommen getötet werden.“ Trotz der Bedrohungen ist alles für den Kongress fertig, der in der Universität von Valle (Universidad del Valle) veranstaltet wird. Rund 3000 Studierende und Gäste werden erwartet´, darunter auch internationale Delegationen wie aus Uruguay. Zudem werden Gäste aus dem Bereich der Menschenrechte Personen wie Piedad Córdoba, der Abgeordnete Iván Cepeda und der wegen angeblicher Zusammenarbeit mit der FARC-EP freigestellte Professor und ehemalige Häftling Miguel Ángel Beltrán teilnehmen.


27 September 2014

Nationales Treffen für geschützte Agrarzonen

In der nördlichen kolumbianischen Provinz Norte de Santander fand letztes Wochenende das nationale Treffen der geschützten Agrarzonen. Diese bäuerlichen Agrarzonen sind das Produkt eines jahrzehntelangen Kampfes, in denen sich die Bauern eine besondere und geschützte Zone erstritten haben. Derzeit gibt es viele Regionen in Kolumbien, die für die Anerkennung als geschützte Agrarzonen kämpfen. 

Zwischen dem 18. und 21. September fand in der kleinen Stadt Tibú in Norte de Santander das vierte nationale Treffen der geschützten Agrarzonen (Zonas de Reserva Campesina) statt. Organisiert wurde das Treffen von der nationalen Vereinigung ANZORC, dem Zusammenschluss der geschützten Agrarzonen und derjenigen Regionen, die für eine Anerkennung kämpfen. Mehr als 8000 Personen haben an dem Treffen teilgenommen, was die Bedeutung für die Bauern und die kolumbianische Gesellschaft herausstreicht. Besucht wurde das Treffen auch von Studierenden, Akademikern, Politikern und vielen Vertretern der sozialen und politischen Bewegungen. Auch die aufständische Bewegung FARC-EP übermittelte eine Grußbotschaft an die Beteiligten. Bei dem Treffen geht es hauptsächlich um die Vernetzung der Bauern und der kolumbianischen Volksbewegung. Herausragende Themen waren der derzeitig in Kuba laufende Friedensprozess, die Umsetzung einer Landreform, die Zukunft der bäuerlichen Bewegung in Kolumbien und die Schaffung neuer geschützter Agrarzonen.

Dabei verdeutlicht die Teilnehmerzahl den politischen und sozialen Stellenwert dieses Treffens. Die Beteiligung wuchs von 1000 im ersten Treffen in den folgenden auf 2150, 3800 und schließlich auf aktuell 8000. Die Schaffung neuer geschützter Agrarzonen ist vor allem für die Bauern ein wesentlicher Bestandteil des politisch-sozialen Kampfes, denn die neoliberale Politik der Regierung, Freihandelsabkommen, die rücksichtslose Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und der andauernde bewaffnete und soziale Konflikt auf dem Land haben das Leben der ländlichen Bevölkerung nachhaltig negativ beeinflusst. So sahen viele Teilnehmende dieses vierte Treffen auch als den Versuch, die Bauern der verschiedenen Landesteile zu einen. In diesem Sinne spielte der Multikulturalismus, das heißt die interkulturelle Arbeit zwischen kolumbianischen Bauern, Indigenen und Personen afrikanischer Herkunft, eine zentrale Rolle. Zu oft sorgten territoriale Streitigkeiten zwischen den ethnischen Gruppen und das wenige Verständnis für die verschiedenen Kulturen für Spannungen.

In den geschützten Agrarzonen haben die kolumbianischen Bauern endlich ein Instrument gefunden, um ihre Territorialität, Identität und Kultur bewahren zu können. Ein auf die Arbeits- und Lebensbedingungen der Bauern und der jeweiligen Region abgestimmtes Wirtschafts- und Rechtssystem drückt die spezielle Art und Weise zum Leben der Bauern aus. Diese ist auf Solidarität und eine soziale Organisation ausgerichtet, in der die Politik von den Bauern selbst gestaltet wird. Die geschützten Agrarzonen stehen im Kontext zu den Regionen, in der die Guerilla FARC-EP präsent ist. Diese Zonen sind ein historischer Sieg der Bauernschaft um politische, soziale und wirtschaftliche Selbstbestimmung. Deshalb sind die Zonen auch von einer enormen Stigmatisierung als Widerstandsnester betroffen. Immer wieder kommt es zu Repressionen und Militärangriffen. Auch im Vorfeld des Treffens gab es Verhaftungen und Schikanen, wie zum Beispiel die Hinderung der Anreise von diversen Delegationen.

Innerhalb der von der FARC-EP und der Regierung Kolumbiens ausgehandelten integrativen Agrarreform spielen die geschützten Agrarzonen eine wesentliche Rolle zur Schaffung von Frieden und zur politischen Lösung des bewaffneten Konflikts. Dabei sind in den nachhaltigen Entwicklungsplänen der Zonen sind auch Themen wie öffentliche Dienstleistungen, Bildung, Gesundheit, Wohnen, Kultur, Erholung, kollektive Produktion und Justiz zugegen. Eine wichtige Forderung der Bauern ist die Durchführung einer neuen Nationalversammlung als rechtliche Grundlage für einen sozialen Wandel. Festgeschrieben sind die geschützten Agrarzonen durch das Gesetz 160 von 1994, in der die ersten Zonen legalisiert wurden.

22 September 2014

Mit mehr Litern Blut erreicht man nicht den Frieden

Übersetzung eines Kommuniqué des Blockes Iván Ríos

Unsere Stärke ist fest entschlossen mit dem Wunsch nach Frieden, der sich in den Gesprächen konzentriert, die in Havanna stattfinden. Wir glauben, dass die soziale und politische Lösung des bewaffneten Konflikts, den Kolumbien erleidet, der einzig richtige Ausweg ist.

Seit dem die FARC-EP die Gespräche mit der derzeitigen Regierung begonnen haben, haben wir die Hoffnung ernährt, dass wir mit all den nationalen Mehrheiten, einen Friedenspakt zur Versöhnung und des Wiederaufbau des Landes auf dem Gebiet der sozialen Gerechtigkeit besiegeln. Wir haben uns strikt an die Befehle der verschiedenen Waffenruhen, die unsere nationale Führung erklärt hatte, gehalten und damit haben wir immer die Provokation durch das Militär in Kauf genommen. In der ersten Waffenruhe wurden in den frühen Stunden des ersten Januars 2013 durch eine Aktion der Luftwaffe 15 unserer Kämpfer, die wehrlos im Schlaf waren, kaltblütig und durch Verrat getötet und ihre Körper verstümmelt.

Am 31. Januar des gleichen Jahres und unter den gleichen Bedingungen und der gleichen kriminellen Form von Luftangriffen, wurden fünf Kämpfer und der Kommandant Jacobo Arango, Mitglied des Zentralen Generalstabs unserer Organisation, ermordet.

Seit der Annäherung mit der Regierung, um die formellen Gespräche zu beginnen, hat unsere Leitung die unpassende Situation reflektiert, unter dem Imperativ der bewaffneten Konfrontation zu verhandeln. Aber es setzte sich die perverse Formel von Präsident Santos durch mit der Zunahme von mehr Opfern des Konflikts und die Gespräche innerhalb der Dynamik des Krieges voranzutreiben. Unter diesen Bedingungen, die von der Regierung auferlegt werden, wird die Blutlache, die den bewaffneten Konflikt erzeugt von Tag zu Tag größer. Aber die Regierung, begleitet vom Chor der Medien der großen Informationskonzerne, verlangt täglich nach mehr Liter Blut, um mittels ihrer Gewaltmechanismen den Kampf gegen die Aufständischen „zu intensivieren und zu vertiefen“.

Aber ja, vor jeder militärische Reaktion auf den Aufstand, der Präsident oder sein geschwätziger Verteidigungsminister sind außer sich und erfinden neue Bedrohungen und Lügen und halten ihre Story aufrecht, dass der farianische Widerstand total geschwächt sei und das bei den Gesprächen unsere Kapitulation verhandelt wird.

Ihre Story wird überhaupt nicht verändert, wie bei dem, was da am 16. September dieses Jahres passiert ist bei einem kriegerischen Zwischenfall in der Gemeinde Puerto Libertador, in der Provinz Cordoba. Dort verlor eine Polizeieinheit ihre Waffen, die sie bei sich trugen und es wurden 7 ihrer Männer getötet und 8 weitere Männer wurden in der Auseinandersetzung verletzt. Die Absicht der Polizeistreife war ein Angriff auf Guerilla-Einheiten im oberen San Jorge. In Fällen wie diesen, werden die Lügen und Unwahrheiten lauter und stärker, wie jene, dass die Konfrontation der Guerilla-Einheiten von Banditen mit dem Namen Los Urabeños begleitet wurde.

Wir haben keine Partnerschaften mit Strukturen des Staatsterrors wie dem Usugas-Clan, wie von der Regierung und den Medien bezeichnet wird. Diese Aussagen der Regierung ähneln dem Spruch „Fangt den Dieb, schrie der Dieb.“ Die Allianzen dieser genannten paramilitärischen Gruppe sind die mit den Institutionen wie mit dem Militär und der Polizei, nicht mit den Aufständischen. Genauso wie der Kampf im Süden von Córdoba, es waren Guerilleros des Blocks Iván Ríos und sonst niemand. Außerdem erklären wir, dass der Kommandant Isaías Trujillo in keiner Bindung mit der para-institutionellen Bande steht. Die die seinen Namen kennen wissen, dass er keine familiäre Beziehung repräsentiert.

Da aktuell die Frage der Opfer in Havanna diskutiert wird, ist es Zeit, dringend die Umsetzung eines bilateralen Waffenstillstandes, als ein Teil der Achtung und Würde, die die Opfer auf ihren Schultern tragen, zu vollziehen, um die Blutung zu stoppen. Die Regierung kann nicht weiter die Opfer als politischem Pfand nutzen, die der Konflikt hervorbringt, um die öffentliche Meinung zu manipulieren und sich Vorteile zur Guerilla zu verschaffen. Wenn diese Dynamik bleibt, dann wird der Prozess torpediert und das ist das Mindeste, was sich das Land wünscht.

Zentraler Generalstab des Blockes Iván Ríos der FARC-EP

Berge von Kolumbien, 20. September 2014

Kommuniqué im Original

Kommuniqué auf Englisch 

17 September 2014

Rekrutierung Minderjähriger in der Armee

Der westliche Militärblock Comandante Alfonso Cano der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee (FARC-EP) teilt an die nationale und internationale Öffentlichkeit mit, dass die staatlichen Sicherheitskräfte in Form des Militärs kontinuierlich Minderjährige im bewaffneten Konflikt benutzen. Dies steht konträr den Vereinbarungen, Minderjährige und Kinder im bewaffneten Konflikt zu schützen.

Hauptsächlich werden die Minderjährigen vom Militär als Informanten eingesetzt. Sie werden durch das Militär geschult und sollen dann in die Guerilla infiltrier werden. Mit verabscheuungswürdigen Methoden, die sie entwickelt haben, werden die Kinder mit anspruchsvollen Missionen betraut, um die Guerilla zu bekämpfen. Von der Ortung der Position eines Lagers, bis zur Ermordung von Kommandierenden werden die Kinder eingesetzt. Ohne Frage hat dies Auswirkungen auf die Moral, Kultur und die soziale Situation der Kinder und deren Familien.  

Ein Fall ist der der jungen Indigenen Laura Casso aus dem Cauca, die mit 14 Jahren von den Militärs in der Basis Jambaló rekrutiert wurde, um zu töten. Mit 15 Jahren wurde sie in eine Einheit der Guerilla der FARC-EP infiltriert, um Lager ausfindig zu machen, Kriegsmaterial zu zerstören und Kommandierende zu töten. Das junge Mädchen wurde dabei entdeckt, als sie einen Teil ihrer Mission ausführen wollte. Dieses Beispiel zeigt die Doppelmoral der Regierung und ihrer staatlichen Sicherheitsorgane.

In einer humanitären Geste wurde Laura Casso an ihre Familie und eine staatliche Organisation zur Verteidigung der Menschenrechte und im Beisein eines Komitees des Internationalen Roten Kreuzes übergeben. Sie wurde in der FARC-EP gut behandelt und ist bei bester Gesundheit.