27 November 2014

Hungerstreik im Gefängnis La Picota

Mindestens 180 politische Kriegsgefangene der FARC-EP aus dem Gefängnis La Picota in der Hauptstadt Bogotá befinden sich seit Montag, den 24. November, in einem Hungerstreik. Einige der Gefangenen haben sich auch den Mund zugenäht. Grund des Hungerstreiks und der Proteste sind die extrem schlechten Haftbedingungen und die Solidarität mit Gefangenen, denen jegliche medizinische Versorgung und ein dringend notwendiger stationärer Aufenthalt in einem Krankenhaus verweigert werden. Immer wieder kommt es zu Protesten und Aufrufen, die die menschenunwürdigen Bedingungen in den kolumbianischen Gefängnissen thematisieren.

Öffentlich gemacht wurden die Proteste durch die Guerilla FARC-EP selbst und durch die Solidaritätsorganisation „Corporación Solidaridad Jurídica“. In einer Mitteilung werden 22 Fälle aufgelistet, die eine dringende medizinische Versorgung notwendig haben. Unter den 22 Fällen befinden sich neun gravierende Verletzungen und Verstöße gegen das Menschenrecht. Darunter befindet sich unter anderem Édison Martínez León aus dem Zellentrakt 10, der bei kurz vor seiner Festnahme im Bein angeschossen wurde und seitdem eine chronische Infektion innehat. Ein von der staatlichen Gefängnisbehörde INPEC versprochener Krankenhausaufenthalt im September wurde bisher nicht erfüllt.

Auch später verweigerte man ihm ärztliche Behandlung und die Aufnahme in einem Krankenhaus. Nun steht er kurz davor, sein Bein zu verlieren. Andere Beispiele in der Mitteilung berichten von Fällen von Leukämie, Knochenbrüchen und Schlaganfällen. Auch hier erfolgte keine bzw. keine zeitnahe Behandlung und Ausgabe von Medikamenten. Wegen der lebensbedrohlichen Situation der Gefangenen wurde nun der Hungerstreik ausgerufen. Solange es kein Gespräch mit dem Leiter des Gefängnisses gibt, wird der Hungerstreik aufrechterhalten. Bei diesem Gespräch sollen auch zivile Stellen und Gremien anwesend sein.

La Picota ist nur eines von vielen kolumbianischen Gefängnissen, die neben den schlechten Lebensbedingungen vor allem von einer Überbelegung betroffen sind. Alleine in La Picota gibt es eine aktuelle Überbelegung von 22 Prozent, das heißt, dass auf die erbauten 5810 Gefangenenplätze heute mehr als 7000 kommen. In Kolumbien gibt es Gefängnisse wie in Riohacha, die für 100 Gefangene ausgelegt sind, aber in denen 580 Gefangene beherbergt werden. Während die FARC-EP regelmäßig ihre Gefangenen menschenwürdig behandelt und innerhalb kürzester Zeit freilässt, werden gefangene Guerilleros permanent mit dem Leben bedroht und ihrer Rechte beraubt.

Während die FARC-EP die Freilassung des Armeegenerals Alzate in einem Kommuniqué bestätigt und damit ihren Verpflichtungen nachkommt, werden die politischen Gefangenen und Kriegsgefangenen der Guerilla und der sozialen Bewegungen systematisch gefoltert und in ihrem Leben bedroht. Es ist daher nur umso verständlich, dass die FARC-EP im Rahmen der Friedensgespräche auch eine Auseinandersetzung mit ihren und allen anderen Gefangenen erwirken will.

Erklärung in Spanisch
Erklärung in Englisch 

25 November 2014

Erste Freilassung beendet, FARC-EP-Präsenz im ganzen Land

Heute wurde die beiden Anfang November gefangengenommen Soldaten aus Arauca (Nordostkolumbien) freigelassen. Die 10. Kampffront der FARC-EP hatte die beiden Soldaten bei Gefechten gefangengenommen, wie aber üblich, mit Ende der Militäroperationen und mit Hilfe einer Kommission des Internationalen Roten Kreuzes ihre Freilassung angekündigt. Zudem waren Personen der beiden Garanten im Rahmen der Friedensgespräche, Kuba und Norwegen, beteiligt. Beide sind in einem guten gesundheitlichen Zustand, so die Erklärung der Beteiligten. In Arauca waren die Voraussetzungen gegeben, um die Freilassung der Soldaten zu vollziehen.

Im Chocó (Nordwesten) hingegen, wo ein ranghoher General von der FARC-EP gefangengenommen wurde, dauern bis dato die Militäroperationen an. Von Bauernverbänden und der Guerilla gibt es Beschwerden über die Militarisierung der Region. Mit der Militarisierung einher geht eine starke Repression gegen die Zivilbevölkerung, die von den staatlichen Sicherheitsbehörden kriminalisiert und Unterstützer der Guerilla stigmatisiert werden. Entgegen den Ankündigungen von Präsident Santos, auf die Freilassung hinzuwirken, setzt er mit den Militäroperationen von Tausenden Soldaten ein falsches Signal. So verdeutlichte der Oberkommandierende der FARC-EP, Timochenko, dass Santos das Vertrauen im Friedensprozess zerstört.

Unterdessen hat die 29. Kampffront der FARC-EP einen Polizeistützpunkt auf einer Insel im Pazifik angegriffen. Mit Schnellbooten setzten die Guerilleros über und griffen eine Polizeistation auf der 35 Kilometer vor der Pazifikküste gelegenen Insel Gorgona, Region Cauca, an. Dabei wurde ein Polizist getötet und sechs verletzt. Auch in den Regionen Antioquia, Caquetá und Nariño kam es in den letzten Tagen zu politisch-militärischen Aktionen. So wurden unter anderem in der Millionenstadt Medellín Transparente der FARC-EP an Brücken in der Stadt auf gehangen. Widerholt machte die aufständische Bewegung, aber auch verstärkt zivilgesellschaftliche Personen und Verbände auf die Notwendigkeit eines beiderseitigen Waffenstillstandes aufmerksam. Dieser wird bis zuletzt von der Regierung abgelehnt.

24 November 2014

Die Opfer des kolumbianischen Staatsterrorismus - Beispiel Wilman

Im Gegensatz zu den disziplinarischen Standards für menschenwürdige und humane Behandlung, die die Guerilla FARC-EP den kriegsgefangenen Polizisten und Soldaten gibt, sind die Bedingungen für Guerilleros in den staatlichen Gefängnissen entwürdigend und erniedrigend. Das staatliche Gefängnissystem INPEC verletzt andauernd die Grund- und Menschenrechte. Ein weiteres Beispiel:

Sein Name ist Wilman Córdoba García. Geboren wurde Wilman am 29. Dezember 1972 in der armen Provinz Quibdó (Chocó), welche im Nordwesten Kolumbiens liegt. Seine Eltern waren Bauern, die aus Baudó von den Paramilitärs vertrieben wurden und schließlich in die Stadt Quibdó zogen. Dort kamen sie in dem Viertel Cavid für Binnenflüchtlinge unter. Schon als Kind arbeitete Wilman in der Landwirtschaft. Er ging bis zur 8. Klasse in die Schule, aus Mangel an finanziellen Mitteln konnte er keinen weiterreichenden Schulabschluss machen.

Im Jahr 2002 fing er an, die Milizen der FARC-EP zu unterstützen. Es waren die einzigen, die für die Armen kämpften und so erkannte Wilman, dass es nur durch den bewaffneten Kampf möglich war, eine die Gesellschaft ausschließende und kriminelle Regierung zu stürzen. Man nahm ihn am 26. Mai 2009 auf der Grundlage der Aussage eines Deserteurs fest. Dieser erhielt schließlich eine Menge Geld für diese Aussage. Wilman suchte man bereits wegen Rebellion und Terrorismus. Er legte zwar Berufung ein, doch weil er keinen Anwalt und kein Geld hatte gab er letztendlich auf. Er wurde zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.

Er kam in das Gefängnis Anayancí in Quibdó in einen Trakt, der hauptsächlich von Paramilitärs wied en Águilas Negras oder den Rastrojos belegt war. Im Zusammenspiel mit der staatlichen Gefängnisbehörde INPEC wurden sie so regelmäßig malträtiert. Am 13. März 2010 verlegte man Wilman aus Gründend er Sicherheit, er war ja Kämpfer der FARC-EP, in das Gefängnis La Tramacúa nach Valledupar. Er war nun weit weg von der Familie, seinen fünf Kindern und seiner Ehefrau. Er wollte bei seiner Familie bleiben, die unter schlechtesten Bedingungen in einem Flüchtlingsviertel in Quibdó lebte, doch man sagte ihm, dass er nun an dem Ort sei, den er verdient habe und verweigerte den Verbleib in der Nähe.

Die Haftbedingungen in La Tramacúa sind dramatisch und menschenunwürdig. So gibt es kein Wasser in den 24 Stunden am Tag. Jede Anfrage wird lange hinausgezögert und Wilman lebte ohne medizinische Assistenz, obwohl er chronische Gastritis und schwere Sehstörungen in der letzten Zeit hatte. Im Gegensatz zu den disziplinarischen Standards der FARC-EP für menschenwürdige und humane Behandlung der Kriegsgefangenen, sind die Bedingungen in den Gefängnissen schwierig und die Behandlung, die die INPEC vollzieht, entwürdigend und erniedrigend, weil die Grundrechte der Gefangenen permanent und systematisch verletzt werden.

Trotzdem will Wilman bei seinen Überzeugungen bleiben. Er hält sich für einen Opfer des Staates, ein Opfer in dem internen Konflikt: Zuerst, weil er und seine Familie von seinem Grund und Boden durch paramilitärische Aktivitäten und in Zusammenarbeit mit dem staatlichen Militär vertrieben wurden, zum anderen, weil er von seinen Feinden und einer gekauften Aussage eines Deserteurs im Dienst der Reichen verurteilt wurde und zu guter Letzt, für die Verletzung seiner Grundrechte während der Freiheitsstrafe im kolumbianischen Gefängnissystem.

Auf Spanisch im Original 

19 November 2014

Freilassung für den Frieden

Nach Verhandlungen der beiden Garanten innerhalb der Friedensgespräche, Kuba und Norwegen, mit der FARC-EP und der kolumbianischen Regierung sieht es nach einer zeitnahen Freilassung von drei im Chocó, darunter dem ranghohen General Rubén Darío Alzate, sowie seinen zwei Begleitern und zwei Soldaten aus Arauca, die dort ebenfalls bei Kämpfen von der Guerilla festgenommen wurden. Die beiden Garanten und das Internationale Rote Kreuz, die bereits Erfahrungen in anderen Freilassungsaktionen haben, werden den Prozess begleiten. Dafür sollen beide Regionen zeitweise entmilitarisiert werden. Dies war schon immer eine Voraussetzung der FARC-EP, um die Leben der Gefangenen, aber auch der Guerilleros nicht zu gefährden. Alle Seiten verpflichten sich auch, den Friedensprozess wieder aufzunehmen, um ein sicheren und dauerhaften Frieden in Kolumbien zu erreichen.

Die Meldung der Freilassung kommt zu einem Zeitpunkt, in dem die Friedensdelegation der FARC-EP den zweijährigen Jahrestag der Friedensgespräche zelebriert. Dabei blicken sie zurück auf das bisher Erreichte, richten ihren Blick aber auch in die Zukunft und auf Schwierigkeiten innerhalb der kolumbianischen Gesellschaft und im Rahmen des Friedensprozesses. Bisher wurden in Havanna die Punkte der ländlichen Entwicklung, der politischen Teilhabe und dem Problem des Drogenhandels erfolgreich verhandelt. In den zurückliegenden Wochen gab es vor allem Debatten um den Umgang mit den Opfern des Konflikts und eine abschließende Niederlegung der Waffen durch die FARC-EP. Unterstützung erhielt der Friedensprozess durch eine breite Zivilgesellschaft, die sich für eine dauerhafte und beidseitige Waffenruhe einsetzte, welche bisher von der Regierung abgelehnt worden ist. 


18 November 2014

Friedensgespräche suspendiert

Nach der Gefangennahme des hochrangigen Generals Rubén Dario Álzate in der nordwestkolumbianischen Provinz Chocó wurden die Friedensgespräche von Seiten der Regierung temporär suspendiert.

Einheiten des nordwestlichen Militärblocks Iván Ríos der FARC-EP haben in der Provinz Chocó den hochrangigen General der kolumbianischen Armee Rubén Dario Álzate festgenommen. Dies wurde nun von der eben genannten militärischen Struktur in einem Kommuniqué bestätigt. Er und zwei weitere Begleiter nahm man fest, weil sie sich als Feinde und militärische Angehörige im Kriegsgebiet bewegten. Festgenommen wurden die Militärangehörigen in ziviler Kleidung in einem mobilen Kontrollpunkt der Guerilla am Rande des Flusses Atrato, als er sich dort in einem Boot bewegte.

In einem kurzen Kommuniqué der Friedensdelegation der FARC-EP, vorgetragen durch Pastor Alape, wird mit Verwunderung zur Kenntnis genommen, dass die Regierung nun die Friedensgespräche ausgesetzt hat. Die Verwunderung kommt nicht von ungefähr. Die Regierung und die Armee hatten sich permanent geweigert, eine beiderseitige Waffenruhe abzuschließen. Stattdessen wurden die Armeeoperationen oftmals ausgeweitet. Inmitten dieses Konfliktes sieht es die Guerilla als selbstverständlich an, sich gegen die Militäroperationen zur Wehr setzen zu können, zumal laut Regierung ein endgültiger Waffenstillstand erst abgeschlossen wird, wenn der Friedensvertrag komplett durchgesprochen und unterzeichnet ist.

Während das Militär und staatliche Sicherheitsorgane Operationen gegen ranghohe Guerilleros durchführen und politische Gefangene sowie Kriegsgefangene der FARC-EP in den kolumbianischen Gefängnissen ein erbärmliches Dasein fristen, wird mit zweierlei Maß gemessen, wenn es zu Operationen und Gefangennahmen der Guerilla kommt. Dabei werden von der FARC-EP festgesetzte Kriegsgefangene von Armee und Polizei in ihrem Leben respektiert und zeitnah wieder an internationale Organisationen freigelassen. Dies wird im Kommuniqué über die Gefangennahme des Generals erneut zugesichert.

Zudem bekräftigte die Guerilla erneut die Notwendigkeit nach einer Waffenruhe, die von allen Akteuren eingehalten wird. Die Position in einer direkten kriegerischen Auseinandersetzung zu verhandeln sein denkbar schlecht. In dem Kommuniqué fordern sie den Präsidenten Juan Manuel Santos auf, seine Entscheidung zu überdenken und hoffen auf eine schnelle Rückkehr zu den Gesprächen, um zu einem erfolgreichen Abschluss zu kommen.

Kommuniqué zur Gefangennahme des Generals
Kommuniqué zur Fortsetzung der Friedensgespräche

13 November 2014

Der Rundfunk der Guerilla

Der Kampf in einem bewaffneten Konflikt hat verschiedene Seiten. Er wird in den Schützengräben der Berge und Wälder Kolumbiens, aber auch in den medialen Schützengräben ausgefochten. Eine lange Tradition in der FARC-EP hat der aus dem Untergrund sendende Radiosender „La Cadena Radial Bolivariana–Voz de la Resistencia“, zu Deutsch: Der Bolivarische Rundfunksender – Stimme des Widerstandes.

Die mediale Wirkung und Propaganda in Kriegen oder kriegerischen Konflikten ist hinlänglich bekannt. Der Gegner, in unserem Falle die Regierung Kolumbiens mitsamt seiner staatlichen Sicherheitskräfte, nutzen alle zur Verfügung stehenden medialen Mittel, um die Guerilla FARC-EP politisch und militärisch zu bekämpfen. Dazu zählen gezielte Lügenkampagnen, Falschinformationen, und Diffamierungen. Während der Staat dabei auf ein großes Arsenal an medialen Waffen zurückgreifen kann, ihm gehören schließlich viele Medien und Zensurbehörden, muss die FARC-EP auch in Bezug auf die Medien auf die Guerillataktik zurückgreifen. Dazu gehören klandestin hergestellte Zeitschriften, Informationsblätter, Wandzeitungen, Transparente, als auch ein seit mehr als zwei Jahrzehnten sendender Rundfunksender sowie Möglichkeiten der neuen Technologien wie Videos, Internetseiten oder soziale Netzwerke.

Dem Rundfunksender Cadena Radial Bolivariana–Voz de la Resistencia kommt die Aufgabe zu, als einfach zu bedienendes und leicht viele Menschen erreichendes Medium, große Teile der Bevölkerung über die politisch-militärische Organisation FARC-EP aufzuklären. Dabei richtet sich der Sender nicht nur ausschließlich an die freundlich gesinnte Bevölkerung, sondern auch an den Gegner zur Beeinflussung der Moral der staatlichen Armee, sowie der Gegner nutzt das Hören, um Informationen zu gewinnen. Wir von Kolumbieninfo haben schon mehrere Artikel verfasst, die sich mit dem Thema des Untergrundrundfunksenders auseinandersetzten. Von kulturellen Darbietungen, Musik und Hörspielen, bis hin zu Nachrichten und politischen Diskussionsrunden, bis zur Information über militärische Kriegsstatistiken ist alles vorhanden.

In diesem Jahr gab es viele Sondersendungen in Erinnerung an den 50. Jahrestag der Gründung der FARC-EP oder zum Anfang November zurückliegenden dritten Todestag des Kommandierenden Alfonso Cano. Die Basisstation des Militärblocks Martín Caballero, zum Beispiel, realisierte in diesem Jahr zwischen dem 27. Mai (Tag der Gründung der FARC-EP) und dem 4. November (Todestag von Alfonso Cano) 175 Stunden und 35 Minuten Radioprogramm. Die Basisstation des Militärblocks Martín Caballero sendet aus dem Norden Kolumbiens, von der Karibikküste bis zu den im Hinterland empor entspringenden Bergen. Besonders aktiv sind die politisch-militärischen Aktivitäten der Guerilla in den Provinzen Cesar und Guajira.

In diesen Stunden der Rundfunkübertragung wurden zahlreiche Mitteilungen an die kolumbianischen Soldaten zum Desertieren gesendet, um sich der Guerilla anzuschließen und für die Interessen der Bevölkerung zu kämpfen. 173 Störungen an kommerzielle Rundfunksender und großen Medienimperien, sowie Sender der Polizei und der Armee wurden geleistet, um die Propaganda des Feindes und der kolumbianischen Oligarchie zu treffen, die den Kampf der Guerilla zu delegitimieren versucht. Sondersendungen, wie oben bereits aufgezählt, aber auch zum 24. Todestag von Jacobo Arenas im August, sowie im September zu den Todestagen der Kommandierenden Jorge Briceño und Martín Caballero strahlte man aus. Im Internet sind viele dieser Sendungen zu hören. Überhaupt kann man 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche das Programm empfangen. Gehört werden die Programme nicht nur im Norden Kolumbiens, sondern im ganzen Land und per Internet auch in 20 Ländern dieser Welt.

09 November 2014

Zum Tod der Indigenen in Toribío/Cauca

In den kolumbianischen Medien wird derzeit über die Ereignisse in Cauca, wo Mitte dieser Woche zwei indigene Wachen getötet wurden, berichtet und die FARC-EP als Aggressor dargestellt. Der Tod der beiden Indigenen ist bedauerlich und wird verurteilt. In einem Kommuniqué der Friedensdelegation der FARC-EP kommt dies zum Ausdruck. Doch wird auch der Vorfall aus Sichtweise der Guerilla beschrieben, dass Milizen der FARC-EP Transparente zum Gedenken an den vor drei Jahren verstorbenen Alfonso Cano aufgehängt hatten und dabei von Indigenen aus der Schutzorganisation überrascht wurden. Die FARC-EP besteht in der dort aktiven Sechsten Front zu großen Teilen aus Indigenen und das Ziel der FARC-EP ist es nicht, das Zusammenleben zu stören. Dazu am Ende des Kommuniqués: „Die FARC-EP ist von einem tiefen Respekt sowohl für unsere einheimischen Menschen als auch für die Gesamtheit unserer Kämpfer, von denen viele auch Indigene sind, geprägt.“

Über die Ereignisse in San Francisco sagt das Kommuniqué: „Durch die Medien hat die Friedensdelegation der FARC-EP über die gravierenden und unglücklichen Ereignisse im Ortsteil von San Francisco, in der Gemeinde Toribío, Bundesstaat Cauca, mitbekommen, die über den Tod der indigenen Wachen Antonio Tumiñá und Daniel Coicué berichten. Unsere ersten Ergebnisse zeigen, dass die Ereignisse entstanden, als indigene Milizionäre Banner in Anspielung auf den dritten Jahrestag der Ermordung des Kommandanten Alfonso Cano anbrachten und dabei von einer Gruppe aus der Nasa-Gemeinschaft, geleitet durch den Gouverneur des Indigenen Rates Esneider Gómez, unter Druck gesetzt wurden. Die Gruppe intervenierte nicht nur gegen die Tätigkeit, sondern versuchte auch, die Milizionäre zu entwaffnen, nachdem sie bereits den Ort verlassen hatten.“

07 November 2014

Santos zu Besuch bei Merkel

Der ehemalige Verteidigungsminister unter dem Paramilitär-Präsidenten Uribe und derzeitige „Friedenspräsident“ Kolumbiens, Juan Manuel Santos, ist bei der deutschen Regierung unter Merkel zu Besuch und bittet um Unterstützung, die sich vor allem auf finanzielle Hilfen belaufen soll.
Dabei wird vergessen, Santos ist derjenige, in dessen Amtszeit die sogenannten „Falsos positivos“, unzählige Militärattacken auf Guerilleros und Zivilisten, völkerrechtswidrige Bombardierungen in Nachbarländern wie Ecuador und eine Aufarbeitung der Militärverbrechen verhindert wurde. Falsche Positive (Falsos positivos) sind als Guerillakämpfer präsentierte hingerichtete Zivilisten um eine Kopfprämie zu kassieren. Nun verhandelt Santos seit zwei Jahren mit der FARC-EP, der Krieg und seine die Mehrheit der Bevölkerung tötende neoliberale Politik wird jedoch nicht angetastet.

Hierzu einige Informationen aus Artikeln und Pressemitteilungen zur Friedenspolitik:

„Kurz vor dem Besuch von Santos in Berlin waren neue Details über die militärische Kooperation zwischen dem südamerikanischen Land und der EU bekannt geworden. Ungeachtet des offiziellen Friedensdiskurses versucht Santos mit seiner EU-Reise demnach auch, militärische Dienstleistungen anzubieten. Seine Regierung steht dabei unter einem erheblichen Druck: Sollte der Konflikt mit der Guerilla beendet werden, müsste ein Großteil der rund 550.000 Soldaten anderweitig beschäftigt werden. Laut den Antworten der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion (Drucksache 18/2926) im Bundestag – die amerika21 vorab vorlagen – leistet Kolumbien schon jetzt polizeiliche und militärische Ausbildungshilfe in 47 Staaten. Nun wird die massiv aufgerüstete Armee auch in EU-Missionen einsteigen. Nach Auskunft der Bundesregierung hat das Politische und Sicherheitspolitische Komitee (PSK) der EU am 17. Oktober 2014 beschlossen, "Kolumbien einzuladen, sich als Drittstaat an der geplanten zivilen, nicht-exekutiven Mission EUAM Ukraine zu beteiligen“. Zudem könne sich Kolumbien "als erste Maßnahme die Entsendung einer Fregatte zur Mission Atalanta (vor dem Horn von Afrika) vorstellen". Dies wäre, so fügt die Bundesregierung an, eine Entlastung für die europäischen Streitkräfte und würde derzeit geprüft.“ von Amerika21 

Zu einer Verschärfung der Situation tragen jedoch die immer neuen Versuche der kolumbianischen Regierung bei, die Militärjustiz auszuweiten. Deren aktueller Gesetzentwurf zur Ausweitung der Militärjustiz wurde jüngst von zwölf UN-Mandatsträgern massiv kritisiert, weil er die Straflosigkeit für Menschenrechtsverletzungen zu verstärken droht, die ohnehin bei über 90 Prozent liegt. "Für die überwiegende Mehrzahl der von kolumbianischen Streitkräften begangenen außergerichtlichen Hinrichtungen wurden die Täter bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen. Laut Angaben der kolumbianischen Staatsanwaltschaft gab es bis Oktober 2013 weit über 4.000 mutmaßliche Fälle von außergerichtlichen Hinrichtungen von Zivilisten durch die staatlichen Streitkräfte. Wir lehnen daher auch die Unterzeichnung eines Rahmenabkommens zur Beteiligung der kolumbianischen Streitkräfte an Kriseneinsätzen der EU ab. Die EU kann sich nicht darauf verlassen, dass das kolumbianische Militär internationale Menschenrechtsstandards einhält", erklärte Bröckelmann-Simon. Von Kolko e.V.