29 Juli 2015

Freiheit für Simón Trinidad!

Wir unterstützen zum 65. Geburtstag am 30. Juli die Freilassung von Simón Trinidad. Wir unterstützen den kolumbianischen Friedensprozess und die populären Bewegungen in Kolumbien im Kampf für den Frieden und Gerechtigkeit. Wir fordern ein Ende der Unterdrückung des Marcha Patriótica und anderen sozialen Bewegungen und Gruppen in Kolumbien.

Ricardo Palmera, im Volksmund besser bekannt als Simón Trinidad, ist ein politischer Gefangener der US-Regierung. Simón Trinidad ist in Einzelhaft in Florence, Colorado, in einem Hochsicherheitsgefängnis. Doch im Zuge der Friedensverhandlungen in Kuba zwischen den FARC und der kolumbianischen Regierung wird seine Anwesenheit benötigt. Er war bereits an früheren Friedensverhandlungen beteiligt und ist einer derjenigen, der die Geschichte der aufständischen Bewegung repräsentiert.

Zwei Dinge, die Sie tun können:

1. Nationaler Call-In-Tag (Anruf-Tag) für den kolumbianischen Revolutionär und politischen US-Gefangenen Simón Trinidad

Rufen Sie das Weiße Haus zu Simón Trinidads 65. Geburtstag an:
Donnerstag, den 30. Juli 2015, zwischen 08:00-17:00 Uhr Östlicher Zeit
Telefon: (202) 456-1111

Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht für Präsident Obama. Sagen Sie: „Bitte Präsident Obama, geben Sie Simón Trinidad eine Geburtstags-Überraschung und lassen Sie ihn frei, damit er an den kolumbianischen Friedensverhandlungen teilnahmen kann. Unterstützen Sie den Frieden in Kolumbien! Freiheit für Simón Trinidad!“

2. Senden Sie Simón Trinidad eine Geburtstagskarte in das Florence Colorado Supermax Gefängnis, bekannt als das Gefängnis bekannt als das „Guantanamo der Rockies“.

Simón Trinidad befindet sich in Einzelhaft, seine Menschenrechte werden verletzt. Simón Trinidad steht als politischer Gefangener von der US-Regierung unter besonderen administrative Maßnahmen, was bedeutet, dass seine Rechte stärker eingeschränkt sind als bei anderen Gefangenen. Die FARC halten einen Stuhl für Simón Trinidad als einer der oberen fünf Unterhändler am Verhandlungstisch frei.

Die Geburtstagskarte ist zu senden an:

Mr. Simón Trinidad, 27896-016
a/k/a Juvenal Ovidio Ricardo Palmera Pineda.
US Penitentiary Florenz-ADX
P.O. Box 8500
Florence, CO 81226-8500

24 Juli 2015

Provokationen der Armee gegen Waffenstillstand

Aus alternativen Medien wird bekannt, dass in Kolumbien kurze Zeit nach dem einseitig verkündeten Waffenstillstand der FARC-EP militärische Provokationen und Operationen der staatlichen Sicherheitskräfte gegen Zivilbevölkerung und Guerilla gegeben hat. Dies spiegelt das Auftreten von Armee und Polizei wider, die Waffenstillstände der Guerilla ausnutzen, um operative Maßnahmen durchzuführen und Territorien zu besetzen. Außerdem sollen damit Auseinandersetzungen provoziert werden, um die Guerilla zu denunzieren und in der Öffentlichkeit zum Bruch ihres Versprechens darzustellen zu können.

Unter anderem gibt es eine Anklage von David Flórez, nationaler Sprecher vom Marcha Patriótica, der auf beunruhigende Vorfälle in Guayabal in der Provinz Caquetá hinweist. In der Region El Pato, einer bäuerlich geprägten Region in den östlichen Kordilleren die eine Tradition des Widerstandes und der Präsenz der FARC-EP hat, haben sich seit dem 20. Juli, also mit Beginn des Waffenstillstandes, rund 200 Soldaten inmitten des Hauptortes der Region einquartiert. Die Soldaten gehören zur 26. Brigade der kolumbianischen Armee. Schon des Öfteren gab es Anklagen der lokalen Bevölkerung gegen den örtlichen Militärstützpunkt innerhalb der bäuerlichen Agrarschutzzone (Zona de Reserva Campesina).

Ihr Lager haben sie in der Nähe der örtlichen Schule aufgeschlagen, gibt David Flórez bekannt. Auch der örtliche Sportplatz wurde in Beschlag genommen. Außerdem geben sie den Kindern Süßigkeiten im Gegenzug für Informationen. Damit werden die Kinder in außerordentliche Gefahr gebracht. Auch das Haus der lokalen Bauernorganisation AMCOP ist von den illegalen Maßnahmen der Armee betroffen, sie machen Fotos sowie schüchtern die Bevölkerung ein. Dies sind grobe Verstöße gegen die internationalen Menschenrechte und eine typische Provokation der kolumbianischen Armee gegen die ländliche Bevölkerung.

Demnach ist es unzulässig, Lager oder militärische Nutzungen jeglicher Art inmitten von Bebauungen zu haben bzw. durchzuführen. Damit wird die Zivilbevölkerung in unmittelbare Gefahr von militärischen Auseinandersetzungen gebracht. Auch die Einschränkung der sozialen und politischen Betätigung ist ein permanenter Begleiter der staatlichen Sicherheitskräfte. So werden Aktivisten und Organisationen eingeschüchtert und bedroht. Das Herauspressen von Informationen aus Kindern und Erwachsenen stellt einen weiteren Einschnitt dar. Nichtkooperieren wird oftmals mit Kollaboration der Gorilla bestraft und endet nicht selten in einer langjährigen Gefängnisstrafe.

Auch aus der Provinz Meta gibt es Meldungen über Operationen von staatlichen Sicherheitskräften. In der Region von Mesetas, ebenfalls ein Gebiet mit starkem Einfluss der FARC-EP, führten Soldaten der 10. Mobilen Brigade eine Operation durch und trafen auf Einheiten der Guerilla. Bei den militärischen Auseinandersetzungen starb ein Soldat. Nun wird die FARC-EP beschuldigt, sich nicht an ihre Vereinbarungen zu halten. Dabei machte die aufständische Bewegung klar, dass man sich gegen offensive Aktionen der staatlichen Sicherheitskräfte im Rahmen der Selbstverteidigung wehren werde. Nur ein Einstellen der militärischen Operationen bzw. ein beidseitiger Waffenstillstand kann der Weg zu einer friedlichen und politischen Lösung aus dem bewaffneten Konflikt sein. Dafür müssen jedoch die Regierung und die ihr unterstellten Sicherheitskräfte ebenfalls ihren Willen bekunden.

20 Juli 2015

Sechster Waffenstillstand der FARC-EP

Am heutigen Montag beginnt ein weiterer einseitiger Waffenstillstand der FARC-EP. So haben es die Sprecher der Friedensdelegation der FARC-EP in Havanna/Kuba vor zwei Wochen angekündigt. Dies ist zum einen der Versuch der FARC-EP, den sich zugespitzten Konflikt zu entschärfen und zum anderen der Regierung und allen Kolumbianern zu zeigen, dass eine friedliche und politische Lösung das Ziel Nummer Eins der Guerilla ist.

Es ist nicht der erste Waffenstillstand, der von der FARC-EP umgesetzt wurde. Mit dem heutigen 20. Juli, dem Tag der Unabhängigkeit, beginnt bereits der sechste einseitig verkündete Waffenstillstand. Alle wurden ordnungsgemäß von der Guerilla umgesetzt. Dies bestätigten nicht nur soziale und politische Bewegungen, sondern auch internationale Organisationen und die kolumbianische Regierung selbst.

Im Kommuniqué des Nationalen Sekretariats der FARC-EP heißt es dazu: „Die FARC-EP kommunizieren an unsere Blöcke, Fronten, Kolonnen, Kompanien und andere politisch-militärische Strukturen, sowie gleicherweise an die Bolivarianischen und Populäre Milizen und untergeordnete Strukturen, von 0 Uhr an des 20. Juli, alle Aktionen mit offensivem Charakter gegen die Streitkräfte des Staates und der öffentlichen und privaten Infrastruktur einzustellen.“

Allerdings betont die FARC-EP in ihrem Kommuniqué zugleich, dass sich keine ihrer Einheiten von den staatlichen Sicherheitskräften bedrohen lassen soll. Wie bereits in anderen Waffenstillständen gezeigt, behält sich die Guerilla das Recht auf Selbstverteidigung vor. Bisher nutzten staatliche Sicherheitskräfte die Waffenstillstände aus, um militärische Operationen durchzuführen und in Territorium vorzudringen, was bisher von der Guerilla kontrolliert wurde. Kontrolliert werden soll der Waffenstillstand unter anderem durch soziale und kirchliche Organisationen.

Zuvor setzte die Guerilla ab Dezember einen Waffenstillstand um. Nach einer Zuspitzung der militärischen Aktionen und nach Bombardierungen von Camps der FARC-EP beendete sie den Waffenstillstand. In der darauffolgenden Offensive wurden ab dem 22. Mai 2015 laut dem Konfliktanalysezentrum Cerac 145 Angriffe durchgeführt. Vor allem die staatlichen Sicherheitskräfte und die staatliche Infrastruktur waren das Ziel. Dabei wurden unter anderem 22 staatliche Sicherheitskräfte getötet. Der Juni war der heftigste an militärischen Aktionen seit zweieinhalb Jahren.

Wenige Stunden vor dem Inkrafttreten des Waffenstillstandes fand die Freilassung des Leutnants Cristian Esteban Moscoso Rivera statt, der 13 Tage zuvor von der 32. Front der FARC-EP in Putumayo bei Gefechten gefangengenommen wurde. Wie angekündigt wurde er in einem gesunden Zustand einer Humanitären Kommission des Internationalen Roten Kreuzes übergeben. Während die Regierung gefangene Guerilla-Kämpfer unter unmenschlichen Bedingungen in die Gefängnisse einkerkert, lässt die Guerilla regelmäßig gefangengenommene Polizisten und Soldaten frei.

Kommuniqué in Spanisch

12 Juli 2015

Solidarität mit sozialen Bewegungen und politischer Opposition

Erst vor wenigen Tagen hat die FARC-EP in einem Kommuniqué an die Öffentlichkeit gewarnt, dass Frieden nur möglich sei, wenn der Paramilitarismus aktiv bekämpft und beseitigt wird. Die Realität in Kolumbien sieht jedoch anders aus. Fast täglich kommt es zu Anzeigen, vor allem aus den ländlichen Bereichen des Landes, die von paramilitärischen Aktivitäten berichten. Hinzu kommt die permanente Angst nicht nur vor den paramilitärischen Strukturen, sondern auch vor dem Staat selbst, der durch Einschüchterungen und willkürlichen Festnahmen insbesondere das politische Engagement von sozialen und politischen Bewegungen im Keim ersticken will. Bereits vor wenigen Tagen verwiesen wir von Kolumbieninfo darauf, dass in Kolumbien nicht nur der Kapitalismus in seiner schärfsten Form existent ist, sondern dass Repression, Aufstandsbekämpfung und Paramilitarismus eine lange Tradition im Land haben und eminenter Bestandteil des politischen kapitalistischen Systems sind.

Es gibt unzählige Beispiele von Repression, Gewalt und Unterdrückung in Kolumbien, die wesentlich von staatlichen oder paramilitärischen Strukturen ausgehen. Diese psychische und physische Gewalt ist es jedoch, aus der Selbstverteidigungsstrukturen wie die der Guerilla entstanden sind und die auch heute noch ihre Existenzberechtigung haben. Die Waffe ist das Werkzeug zur Verteidigung und zum Gehör verschaffen. Aus der Armut heraus, aus der fehlenden Perspektive, aus der Vertreibung vom Land, weil die Familienmitglieder ermordet wurden, mit dem Ziel des Kampfes für eine bessere Welt, für Gerechtigkeit oder weil man aus Sicherheitsgründen in die Berge und in den Dschungel geflüchtet ist, die Gründe der verschiedenen Menschen in den Reihen der Guerilla sind unterschiedlich. Doch alle eint die Erfahrungen von struktureller Gewalt, von Repression und Unterdrückung.


So werden derzeit Explosionen in der Hauptstadt Bogotá zum Anlass genommen, um 13 Personen festzuhalten und sie der Beteiligung an den Sprengstoffexplosionen zu beschuldigen. Alle 15 festgenommenen, zwei sind mittlerweile wieder auf freiem Fuß, sind in sozialen und politischen Bewegungen engagiert, darunter zum Beispiel im Congreso de los Pueblos. Es sind Studierende, Journalisten und Menschenrechtsverteidiger. Wieder einmal wird versucht ein Exempel zu statuieren und politisch Engagierte zu kriminalisieren bzw. ihnen deutlich zu machen, was die Regierung von oppositioneller und kritischer politsicher Arbeit hält. Es ist zugleich eine Warnung, um Personen von politischer Arbeit und Organisierung abzuhalten. Ihnen drohen Strafen wegen Terrorismus und Rebellion von bis zu 30 Jahren.

Die Friedensdelegation der FARC-EP zeigt ihre Solidarität mit dem Congreso de los Pueblos und den willkürlich Festgenommenen. Sie sagte außerdem, „dass wir die Haltung des Staates ablehnen, satt Wege zur Aussöhnung zu öffnen, werden soziale Konfrontation und Misstrauen verstärkt“. Sie weisen darauf hin, dass man nicht von Frieden sprechen kann, wenn die politische Opposition angezweifelt wird. „Wieder wohnen wir einer gerichtlichen Inszenierung teil, wo die Hauptopfer die Demokratie ist. Unter dem Deckmantel von Sprengstoffexplosionen in Bogota, stigmatisiert und kriminalisiert der juristische Apparat soziale Aktivisten“, so die Guerilla in ihrem Kommuniqué, welches sie am Wochenende veröffentlichte.


Solidaritätserklärung der FARC-EP (Spanisch) 

08 Juli 2015

Nächste einseitige Waffenruhe ab 20. Juli

Die FARC-EP erklärt in einem Kommuniqué eine einseitige Waffenruhe ab dem 20. Juli 2015. Sie begrüßen die Bemühungen der Garant-Länder Kuba und Norwegen sowie der Begleiter Chile und Venezuela im Friedensprozess in Kuba für eine Deeskalation des Konfliktes. Dabei sei es besonders wichtig, vertrauensbildende Maßnahmen, eine beidseitige Waffenruhe und Beendigung der Feindseligkeiten sowie eine Vereinbarung über die Rechte der Opfer zu bewirken.

„Wir kamen nach Kuba um ein Friedensabkommen zu erreichen, um dem Krieg ein Ende zu setzen, der mehr als ein halbes Jahrhundert andauert. Nichts kann uns mehr Freude bereiten, als ein definitives Ende der Konfrontation, der Gewalt, der Generierung von neuen Opfern und Leid für das kolumbianische Volk infolge des Konfliktes.“

Mit der erneuten Ausrufung eines einseitigen Waffenstillstandes für die Dauer von einem Monat will die FARC-EP günstige Bedingungen schaffen, um einen bilateralen und endgültigen Waffenstillstand zu konkretisieren. Zugleich fordern sie die Frente Amplio por la Paz (Breite Front für den Frieden), die Kirchen und die Bewegung für den Frieden auf, den Prozess zu überwachen.

07 Juli 2015

Kolumbien als Prototyp des Kapitalismus in Lateinamerika

Kolumbien ist in Lateinamerika der Prototyp zur Akkumulation von Land und Kapital, bei gleichzeitiger Bekämpfung der Bewegungen, die aktiven und passiven Widerstand gegen die Oligarchie und den Kapitalismus leisten. So wurden über die Jahrzehnte verschiedene Interventionsstrategien im Rahmen der Vernichtung von linken Bewegungen durchgeführt.
 
Die politische Situation in Lateinamerika ist geprägt durch die globale Situation auf der Erde. Als Teil dieser Erde beschleunigt sich auch die kapitalistische Akkumulation durch größere Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und Raubbau an der Natur, sowie durch Kriege, Konflikte oder Auseinandersetzungen. Innerpolitische Zuspitzungen bzw. Konflikte und Kriege werden geschürt, um über das Mittel der militärischen Repression Druck gegen die vermeintlichen Gegner ausüben und gleichzeitig die wirtschaftlichen Interessen  im Land durchsetzen zu können. Eine Intensivierung der Staatsterrorismus garantiert die kapitalistische Akkumulation. Diese Macht des Todes von offiziellen Armeen und ihrer jeweiligen paramilitärischen Werkzeuge ist spürbar in Ländern wie Mexiko, Kolumbien, Peru, Honduras und Paraguay.
 
Der Krieg gegen die sozialen und politischen Bewegungen verläuft oftmals unter dem Deckmantel des Anti-Drogenkrieges bzw. des Anti-Terrorkrieges. Dies ist insoweit zynisch, da organisierte Drogenkriminalität und staatliche Strukturen zusammenarbeiten. Sie sind der nützliche Gehilfe, bei dem alle Verdienen und die Gegner vernichtet werden können, ohne dass dies direkt auf die Oligarchie zurückfällt. Probleme gibt es nur, wenn die Kommunikationsstrukturen und Hierarchien auseinanderklaffen, so wie es in Kolumbien in den 1990er Jahren passierte und derzeit auch in Mexiko geschehen könnte.  Dabei erinnert Mexiko an das repressive Muster, wie es in Kolumbien seit Jahrzehnten  umgesetzt wird: Aufstieg des Drogenhandels mit staatliche Duldung sowie die Verwendung diesem bei der Förderung von mehr paramilitärischen Gruppen, die darauf abzielen, die Vernichtung der Kommunisten und anderer sozialer Aktivisten durchzuführen.
 
Die Anden-Amazonas-Region ist von großer Bedeutung für das transnationale Kapital. Kolumbien ist ein Land, das für seine immensen Ressourcen (Bergbau, Wasser, Biodiversität) und durch seine geostrategische Lage (Anden-Amazonas, mit Zugang zu zwei Ozeanen mit 5 Nachbarländern) sehr begehrt ist. Es zählt auch nach Brasilien und Mexiko zu den bevölkerungsreichsten auf dem lateinamerikanischen Kontinent. Keine Frage, Kolumbien ist von großer Bedeutung für das transnationale Kapital und so zählt es auch eine Geschichte, die geprägt ist von Interventionen, Konflikten und Kriegen, die im Kontext der Interessensvertretung des Kapitalismus stehen. Schon sehr früh engagierten sich die US-Regierung und das Militär mit der Aufstandsbekämpfungs-Lehre und den Techniken im Krieg gegen die Zivilbevölkerung.
 
Die Aufstandsbekämpfung und die Einbindung von paramilitärischen Kräften haben eine lange Tradition in Kolumbien. Schon in den 1950er und 1960er Jahren gab es operative Maßnahmen zur Vernichtung des „inneren“ Feindes, den Andersdenkenden und Kommunisten. Im Mai 1964 führte das kolumbianische Militär unter Führung der USA eine Operation gegen liberale und kommunistische bäuerliche Gemeinschaften im Süden von Tolima durch. Dörfer wurden bombardiert, sowie die Bevölkerung vertrieben und ausgehungert. Es war bis dahin die größte Operation in der Aufstandsbekämpfung in Lateinamerika. Die Überlebenden durchbrachen die militärische Belagerung und gründeten die Guerilla FARC. Es war die Geburtsstunde einer der ältesten und aktivsten Guerillabewegungen in der Welt.
 
Kolumbien ist eines der sozial ungleichen Länder, und das obwohl es, gemessen an den Bodenschätzen und der Natur zu den reichsten gehört. Im Land gibt es rund 20 Millionen arme Menschen und ca. 8 Millionen Obdachlose und Vertriebene.  Tausende Kinder sterben jährlich an Hunger, trotz des immensen Reichtums des Landes. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Derzeit leidet die indigene Wayúu-Gemeinschaft, besonders die Jungen und Alten der Gemeinschaft an Hunger und Durst, sie sterben an Krankheiten und Wassermangel. Die Vernichtung steht im Zusammenhang mit der Kohleförderung in den Minen von La Guajira und Cesar, wobei natürliches Flusswasser zur Förderung umgeleitet wird.
 
Es sind multinationale Unternehmen wie BHP Billiton, Glencore Xstrata, Anglogold, Drummond, Gold Fields, OXY, BP, Repsol und andere, die in Kolumbien Flüsse umleiten, Gewässer vergiften, Berge zerstören und auf der anderen Seite Millionen in den Aufbau von paramilitärischen Einheiten investieren, die dann Gewerkschafter und Kritiker töten. Auch das Militär profitiert von den transnationalen Konzernen und sichert nicht nur ihre Infrastruktur, sondern unternimmt auch militärische Operationen gegen die Gemeinden. So sichert das 18. Bataillon der kolumbianischen Armee die Erdölinfrastruktur von OXY. Maßnahmen gegen die Zivilbevölkerung  und Umweltzerstörung gehen ineinander über. Diese Situation der Verarmung der Mehrheit zugunsten einer Handvoll der Oligarchie und die Konzentration von Land in den Händen weniger ist ebenso systematischer Staatsterrorismus und der Ursprung des sozialen und bewaffneten Konflikts in Kolumbien. Die FARC ist aus der repressiven und sozial ungleichen Politik heraus entstanden.
 
Über den Staatsterrorismus werden derzeit jedoch wenige Worte verloren. Ebenso werden wenige Worte über die Ursachen und Bedingungen des bewaffneten Konfliktes verloren. Zwar gibt es Friedensverhandlungen zwischen der FARC und der kolumbianischen Regierung, doch der Konflikt und die Ursachen des Konfliktes sind damit noch lange nicht vorbei. Während die FARC im Zuge der Friedensverhandlungen mehrfach durch einseitig ausgerufene Waffenstillstände die Bereitschaft zu einer politischen Lösung demonstriert hat, setzt die Regierung weiterhin auf Aufstandsbekämpfung und Krieg. Der Kapitalismus an sich lebt vom Krieg und in Kolumbien profitieren viele an ihm. Und letztendlich will die kolumbianische Oligarchie und die transnationalen Konzerne keine Teilung der Macht und ihrer Profite.
 
Während einiger Monate versuchten beide Parteien, Guerilla und Regierung, den Konflikt zu deeskalieren. Die FARC verabschiedete eine unbefristete Waffenruhe und die Regierung veranlasste die Einstellung von Bombardierungen auf Lager der FARC, obgleich weiterhin militärische Operationen von Seiten der staatlichen Sicherheitskräfte stattfanden. Doch nach einem Verteidigungsangriff der FARC auf in ihrem Hinterland operierende Soldaten, bei dem 11 Militärs starben, sowie darauf folgenden Bombenangriffen auf Lager der FARC, ist die Ruhe vorbei. Nun fordern auch die Garantenländer des Friedensprozesses wie Kuba und Norwegen beide Seiten auf, nach einer beidseitigen Waffenruhe zu suchen.
 
FARC-Kommandant Iván Márquez sagte unterdessen, dass die FARC denjenigen keinen Raum geben wollen, die mit ihrer Stimme das Scheitern der Friedensgespräche vorhersagen.  Er sagte, dass er es vorzog, von Optimismus zu sprechen und das es notwendig ist, an dem Prozess festzuhalten, um einen Friedensabkommen zu unterzeichnen. Er beruft sich damit auf die Stimmen und Medien, die permanent Unruhe stiften und mittels Meinungsmache den Friedensprozess torpedieren wollen. Dafür ist es nicht nötig, weiter unnötige Hindernisse für dieses noble Ziel des Friedens mit sozialer Gerechtigkeit zu verursachen. Es ist wichtig, den Paramilitarismus zu zerschlagen, so der Guerillakommandant. Doch genauso wichtig ist es, notwendige Reformen einzuleiten, die Gesellschaft grundlegend umzustrukturieren und politische und wirtschaftliche Teilhabe für Alle zu garantieren. Nur ein Frieden mit sozialer Gerechtigkeit kann ein dauerhafter Frieden sein.

02 Juli 2015

Gesten der Deeskalation der FARC-EP im Konflikt

Bezugnahme von Gesten der Deeskalation des Konflikts, die einseitig von der FARC-EP seit Beginn des Prüfens von Friedensgesprächen bis aktuell durchgeführt wurden.

Die Friedensdelegation der FARC-EP ist eng mit den Entwicklungen zum Friedensdialog verwurzelt:

1. Ende jeder Gefangennahme von Personen, zum Zweck des Erhebens und Einnehmens einer Steuer aufgrund ihres Reichtum und ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Februar 2012.

2. Erster einseitiger und vorübergehender „Waffenstillstand“. 20. November 2012 bis 20. Januar 2013.

3. Freilassung von Kriegsgefangenen, die in den Händen der FARC-EP waren, auch diejenigen, die wegen militärischer Operationen kurz nach dem Start der Friedensgespräche vor kurzem gefangengenommen wurden. Veröffentlichung des amerikanischen Veteranen und ehemaligen Marines, Kevin Scott. 27. Oktober 2013.

4. Zweiter einseitiger und zeitlich befristeter „Waffenstillstand“. 15. Dezember 2013 bis 15. Januar 2014.

5. Freilassung und Übermittlung dreier Minderjähriger Rekrutierter an das Internationale Rote Kreuz, die ausgebildet und infiltriert durch die staatlichen Streitkräfte Kolumbiens in den Lagern der FARC-EP Sabotageakte oder Attentate auf Guerilla-Befehlshaber durchführen sollten. 4. Mai 2014.

6. Dritte einseitiger und vorübergehender „Waffenstillstand“. 20. Mai bis 28. Mai 2014.

7. Vierter einseitiger und vorübergehender „Waffenstillstand“. 9. Juni 2014 bis 30. Juni 2014.

8. Anerkennung der allgemeinen Verantwortlichkeiten für Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung durch die Aktionen Guerilla. Dokument „Zu einem neuen Kolumbien ohne Opfer“ 6. September 2014. und „Anerkennung der Verantwortung der Guerilla“, 30. Oktober 2014.

9. Freilassung von Kriegsgefangenen aus den Händen der FARC-EP, auch diejenigen, die vor kurzem wegen militärischer Operationen nach dem Beginn der Friedensgespräche gefangengenommen wurden: Die Soldaten Cesar Rivera und Jonathan Díaz. 25. November 2014.

10. Freilassung von Kriegsgefangenen aus den Händen der FARC-EP, auch diejenigen, die vor kurzem wegen militärischer Operationen nach dem Beginn der Friedensgespräche gefangengenommen wurden: Der General der kolumbianischen Armee Rubén Darío Alzate, die Rechtsanwältin der Armee Gloria Urrego und der Unteroffizier Jorge Rodríguez. 30. November 2014.

11. Manifestierung der Reue und Bereitstellung von Reparationen an der Gemeinde von Bojayá für unabsichtliche Handlungen, die aufgrund von Kampfhandlungen der Guerilla gegen paramilitärische und militärische Kräfte aufgetreten sind. 18. Dezember 2014.

12. Fünfter einseitiger und unbefristeter „Waffenstillstand“. Er wird ab dem 20. Dezember 2014 durchgeführt.

13. Freilassung von Kriegsgefangenen aus den Händen der FARC-EP, auch diejenigen, die vor kurzem wegen militärischer Operationen nach dem Beginn der Friedensgespräche gefangengenommen wurden: Berufssoldat Carlos Becerra Ojeda. 26. Dezember 2014.

14. Verzicht auf Minderjährige Guerillakämpfer mit einem Alter unter 17 Jahren in den Reihen der Guerilla. „Bekanntmachung über Minderjährige im Konflikt“, 12. Februar 2015.

15. Freilassung und Übermittlung zweier Minderjähriger Indígenas (J.B. und L.J.Y.) an das Internationale Rote Kreuz IKRK, rekrutiert, ausgebildet und infiltriert durch die staatlichen Streitkräfte Kolumbiens, um in den Lagern der FARC-EP in Valle del Cauca Sabotageakte oder Attentate auf Guerilla-Befehlshaber durchzuführen. 20. Februar 2015.

In spanischer Sprache auf der Seite der FARC-EP 

29 Juni 2015

Die FARC-EP zur Umweltproblematik

Bei einem Angriff auf die erdölfördernde Infrastruktur des Staates, einem der Hauptwirtschaftszweige des Landes mit großen Schäden an der Umwelt, zerstörten Einheiten der FARC-EP die Pipeline „Transandino“, wobei schätzungsweise 10.000 Barrel in einen Fluss liefen und jenen, als auch einen Teil der Pazifikküste schädigten.

Die sinnlose Haltung des Staates mit seinen offensive Operationen gegen die Guerilla führte zum Ende der einseitige Waffenruhe seit mehr als fünf Monaten des Bestehens und in Folge dessen zu einer Zunahme der Feindseligkeiten. Diese Zuspitzung des Konfliktes führt zu Ereignissen, die tragisch sind und nicht nur die Zivilbevölkerung, sondern auch das Ökosystem negativ beeinflussen. Unter diesen Umständen haben Guerillaeinheiten Angriffe gegen die staatliche Infrastruktur und der wirtschaftlichen Sabotage durchgeführt und unerwünschte Schäden in Tumaco und den benachbarten Gebieten verursacht. Tumaco ist eine kleine Stadt im Südwesten Kolumbiens an der Pazifikküste gelegen.

In einer Erklärung sagte der Kommandant der FARC-EP Carlos Antonio Lozada, dass es immer Schmerz und Tod erzeugt, wenn feindliche Kräfte angegriffen werden. Genauso ist es auch, wenn die staatliche Infrastruktur angegriffen wird. Nur das scheinen einige zu vergessen. Und weiter: „Wir sind nicht stolz auf das Ergebnis der Aktionen gegen die Ölinfrastruktur noch sind wir stolz auf den Tod von Soldaten der regulären Armee, wenn dies geschieht, im Gegensatz zu der Freude, die Medien und Regierungssprecher jedes Mal schamlos zum Ausdruck bringen, wie eine Trophäe zum Tod unserer Kämpfer.“

Es ist sinnvoll, an einem beidseitigen Waffenstillstand zu arbeiten und nicht nur die Schuld auf die Guerilla abzuschieben. In einem von den Vereinten Nationen im September 2014 veröffentlichten Bericht „Umweltaspekte für den Aufbau eines stabilen, dauerhaften und nachhaltigen territorialen Friedens in Kolumbien“ informiert, dass die Guerilla 125 Gemeinden im Süden, Nordosten und Nordwesten kontrolliert, wo es zu großen Teilen Dschungel gibt. Dies ist der Grund, dass diese Regionen auch so erhalten und geschützt werden. Paradoxerweise gibt es mit einem potentiellen Friedensabkommen einen hohen Risikofaktor in der Umweltzerstörung, weil die Politik der „Motoren der Entwicklung“ der Regierung konträr zu Umweltschutz und nachhaltiger Entwicklung steht.

Die Politik der „Motoren der Entwicklung“ besteht vor allem aus Bergbau, agroindustriellen Großprojekten und intensiver Landwirtschaft. Wissenschaftliche Berichte zur Umweltqualität in Kolumbien bescheinigen, dass eine stete Verschlechterung in den letzten Jahren stattfand. Dies sind die Folgen der Abholzung, der Wasserverschmutzung durch Hausmüll, intensive Landwirtschaft, Industrieabfälle und den Abfällen aus dem Bergbau sowie die Zerstörung der Hochmoore, Páramos und Feuchtgebiete. Die Luftverschmutzung in den großen Städten übersteigt die akzeptablen Werte. Die Regierung und Industrie haben Monokulturen und agroindustrielle Großprojekte intensiviert. Dies führt zu Schäden an der Bodenfruchtbarkeit.

Der intensive Einsatz von Agrochemikalien und Entlaubungsmittel hat schwere Schäden vor allem in Waldgebieten gefordert. Oftmals werden einfach große Gebiete aus der Luft besprüht. Der Bau von Straßen und großen Infrastrukturprojekten ohne irgendwelche nachhaltige Maßnahmen hat schreckliche Auswirkungen auf die Umwelt gefordert. Nur zwischen 2000 und 2007, wurden 336.000 Hektar Wald pro Jahr zerstört und speziell am kolumbianischen Pazifik sind 14.322 km² Tropenwald verloren gegangen. Und was den Schutz der Meere betrifft, ist es traurig zu beobachten, dass Kolumbien nur 2% der eigenen Fläche schützt, während die Vereinbarungen zur biologischen Vielfalt mindestens 10% Schutz vorsehen.

Wir müssen erkennen, dass die Verschärfung des Krieges auch die Situation der Menschen und die der Ökosysteme verschärft. Und leider, was dort in Tumaco passiert ist war schrecklich und die unbeabsichtigten Konsequenzen verpflichten zu einer Lösung, aber auch zum Anerkennen von einer Verantwortung für den Staat  durch seine Umweltzerstörung, vollführt durch eine Wirtschaftspolitik der Regierung, die nur die wirtschaftlichen Interessen der transnationalen Konzerne verfolgt.